Zahlen aus den Niederlanden

Unterwegs für die Firma

Was sind die aktuellen Trends, wenn Geschäftsreisende ihre Übernachtungen buchen?

text: Marijn Ruhaak  //  photography: istock

Vorbei sind die Zeiten, als Geschäftsreisen über das Reisebüro um die Ecke und Hotels am Telefon gebucht wurden, wie diese Beobachtungen aus den Niederlanden zeigen. Heute buchen die meisten, die beruflich unterwegs sind, übers Internet. Hotelbesitzer müssen sich deshalb einiges einfallen lassen, um ihre potenziellen Gäste anzusprechen. Wer die aktuellen Trends und mögliche langfristige Entwicklungen kennt, ist einen Schritt voraus.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2015 wurden bis zu 16,8 Millionen Übernachtungen in niederländischen Hotels gebucht, meist von Gästen aus Großbritannien, den USA und Deutschland. Im Jahr 2015 kamen etwa 3,3 Millionen Geschäftsreisende in die Niederlande. Knapp zwei Drittel davon haben einen persönlichen Termin, die anderen 1,2 Millionen sind Teil einer organisierten Reise für ein Meeting, Incentive, einen Kongress oder eine Messe.

Quelle: CBS (Statistics Netherlands), Untersuchung der Anzahl der Übernachtungen von Geschäftsreisenden im Zeitraum 2007–2015

Vom Reisebüro zum Handy

Die Tatsache, dass Reisende ihre Buchungen hauptsächlich über das Internet vornehmen, wird für Sie keine Neuigkeit sein. Aber wie läuft dieses Geschäft im Moment eigentlich? Sojern veröffentlichte 2017 einen Bericht, in dem die Buchungszahlen der Reisenden analysiert wurden. Er zeigt, dass die Zahl der Online-Buchungen in den letzten Jahren stark zugenommen hat: In den meisten Segmenten sind mindestens die Hälfte der Hotelbuchungen online. Wird all dies über das Smartphone abgewickelt? Noch nicht. Ende 2016 wurden 10 bis 15 % aller Online-Buchungen über das Smartphone vorgenommen.

Aufwärtstrend

Aufgrund dieses deutlichen Aufwärtstrends sollten Hotelbesitzer bereits jetzt auf ein gut funktionierendes Buchungstool für Smartphones setzen. Koddi führte eine kleinere Untersuchung unter 250 Geschäftsreisenden durch und stellte fest, dass 16,5 % der Reisenden, die derzeit noch über einen Computer buchen, planen, in Zukunft ein Tablet oder Smartphone zu benutzen.

Von der Plattform zur Selbstbuchung

Reisende, die das Internet nutzen, um ein Hotel zu buchen, haben eine Vielzahl von Möglichkeiten, eine Reservierung vorzunehmen. Sie können selbst ein Zimmer buchen, Hilfe von einem Online-Reisebüro oder -Portal anfordern oder den Buchungsprozess von einem Online-Reisemanager durchführen lassen, der eventuell sogar mit dem Unternehmen, für das sie arbeiten, einen Vertrag hat. Koddi hat auch diese Entwicklung unter die Lupe genommen. Danach bevorzugen 26,8 % der Reisenden die Buchung über die Buchungswebsite ihres Unternehmens, 34,5 % die Suche über Online-Reisebüro und 38,8 % die direkte Buchung beim Hotel.

Quelle: www.koddi.com/where-are-the-business-travelers/

 

The Growth of Mobile Hotel Queries:

Google International Data. US. July 2015to December 201

Angesichts der Tatsache, dass Smartphones weiter an Bedeutung gewinnen, werden in Zukunft immer mehr Buchungen über Online-Reisebüros laufen. Jetzt schon buchen Geschäftsreisende, denen das Smartphone wichtiger ist als der Computer, öfter über ein Online-Portal (Citeo, 2017).

Kombination aus Geschäft und Entspannung  

Wer meint, Geschäftsreisen bestehen nur aus langen Meetings, Beratungen und Veranstaltungen in stickigen Räumen, liegt falsch. Immer mehr Geschäftsreisende schätzen ein kulturelles Erlebnis und Entspannung bei ihren Reisen. Fast scheint es, als gäbe es zwischen Geschäftsreisen und Urlaub nur noch einen schmalen Grat. Fakt ist, dass sich Geschäftsreisende nicht mehr mit langweiligen, grauen Umgebungen zufriedengeben, in denen Funktionalität wichtiger ist als Atmosphäre. Der Wunsch nach Entspannung, Komfort und zusätzlichen Einrichtungen in und um die Unterkunft herum ist deutlich gestiegen.

Geschäfte abwickeln und Freizeit einbinden

  • 47 % der Geschäftsreisenden würden gerne nach einer Geschäftsreise einen Urlaub anhängen – jeder Dritte hat dies bereits getan.
  • Bei den über 40-Jährigen sinkt das Interesse: Nur 25 % wollen Geschäft und Freizeit verbinden. Bei den über 60-Jährigen sind es immer noch 12 %.
  • 76 % der Geschäftsreisenden möchten ihren Partner auf einem solch angehängten Urlaub dabeihaben.

Quelle: Innofact AG, Juni 2018

High-Tech-Aufenthalt

Die technologische Entwicklung endet nicht bei der Buchung. Geschäftsreisende sehnen sich zunehmend nach Hotels mit hohem technologischem Standard, etwa mobilen Check-in-Möglichkeiten oder einem Gepäckaufbewahrungsroboter. Ein weiteres Beispiel sind die CitizenM-Hotels in Amsterdam, New York und London: Sie bieten den Gästen zur Steuerung von Vorhängen, Beleuchtung, Wecker, Fernseher und Temperatur ein Tablet.

Nachhaltiges Reisen

Eine Entwicklung, die man beobachten sollte, ist die wachsende Nachfrage von Unternehmen, aber auch von Einzelreisenden, nach nachhaltigen Reisen. Gerade weil persönliche Treffen immer mehr an Bedeutung gewinnen, sind Reisende offen für umweltfreundliche Optionen. Inzwischen bucht ein Drittel der Unternehmen nur Hotels mit Nachhaltigkeitszertifikaten, von denen die Niederlande bereits einige Hundert haben.* Es ist daher wichtig, die Umweltauswirkungen auf den Prüfstand zu stellen. Das ist einfacher, als man vielleicht zunächst erwartet.

* Quelle: www.greenkey.nl/l/library/download/369675 

Fakten und Tipps

Derzeit belaufen sich die Kosten in Sachen Umweltbelastung in Hotels für die Niederlande auf 1,78 Euro pro Zimmer und Nacht. Das sind 40 Millionen Euro pro Jahr, die sich laut den Ermittlern von EcoChain mit einigen einfachen Maßnahmen halbieren lassen:

  • Verwenden Sie Ökostrom: -0,52 Euro Umweltbelastung
  • Vegetarisches Essen im Restaurant: -0,05 Euro Umweltbelastung (+ 7 Millionen Euro pro Jahr Einkaufsvorteil für alle Hotels)
  • Ersetzen Sie tierische Produkte durch Gemüse: -0,10 Euro Umweltbelastung (+ 20 Mio. Euro pro Jahr Einkaufsvorteil)
  • Wassersparender Duschkopf: -0,08 Euro Umweltbelastung
  • Vom Restwert zum Cashflow: -0,25 Euro Umweltbelastung

Gesamtgewinn: 1 Euro

„Neben einem ökologischen Gewinn von 40 Millionen Euro pro Jahr kann die niederländische Hotellerie auch 37 Millionen Euro pro Jahr über Einkaufsvorteile einsparen: 20 Millionen durch vegetarische Gerichte und 17 Millionen durch den Einbau von wassersparenden Duschköpfen.“

ABN AMRO, 2017

Weitere Themen

  • Virtual Payment

    Virtuelles Bezahlen wird Realität – und das nicht nur in China, sondern auch im Rest der Welt. In...

    Artikel lesen
  • Zeichen von Respekt

    Dass Bewertungen in Onlineportalen beim Buchen eine große Rolle spielen, hat sich herumgesprochen....

    Artikel lesen
  • to top