Chinesen sagen niemals „Nein“

Der Besucherstrom aus Asien wächst, besonders aus China. Auf der diesjährigen ITB galt den neuen Zielgruppen besondere Aufmerksamkeit, denn sie bringen neue Gewohnheiten und Anforderungen mit. Zahlen und Einblicke.

Text: Karen Cop // FOTOS: iStock

Waren Sie schon einmal in China? Dann haben Sie vielleicht Tipps wie diese gehört: „Zur Begrüßung immer eine Visitenkarte dabeihaben und mit beiden Händen überreichen wie ein Geschenk an den Kaiser!“ Oder: „Beim Essen laut zu schmatzen, ist normal und wird als Kompliment verstanden.“ Und dann ist gar nicht unbedingt alles anders. Auch in den chinesischen Metropolen wie Shanghai oder Hongkong kann man vegan essen statt Hühnerkrallen und muss angesichts der Wirklichkeit als Erstes seine Klischees vergessen.

Umgekehrt muss es chinesischen Reisenden ähnlich in Europa ergehen: Sie kommen laut redend aus dem Flieger und legen plötzlich die Zeigefinger über die Münder, um verschmitzt lächelnd „psssst“ zu machen – öfter zu beobachten auf den großen Flughäfen. „Der Deutsche liebt seine Ruhe“, scheint ein weit verbreitetes Klischee in China zu sein. Kurz: Alle meinen es gut, aber stochern noch ein wenig im Dunklen, wenn sich die Frage stellt: Wer tickt wie, vor allem anders? Während der wohlwollende Versuch der Annäherung wächst: China hat sich mit 139 Millionen Reisenden zum größten Outbound-Markt weltweit entwickelt.

13 Prozent mehr chinesische Reisende

Kein Wunder, dass die Bedürfnisse chinesischer Touristen und Geschäftsreisender ein großes Thema bei der größten Leitmesse der Branche, der ITB in Berlin, im März 2019 waren. Im vergangenen Jahr registrierte die IPK international laut CEO Rolf Freitag für China „13 Prozent mehr Auslandsreisen im Vergleich zum Vorjahr“. Für dieses Jahr zeichnet sich zwar ein etwas geringeres Wachstum ab, aber mit sechs Prozent mehr Reisenden aus Asien wird gerechnet. Auch die Buchungen von Geschäftsreisenden bei HRS sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen.

Höchste Zeit also, sich auf die Gewohnheiten der chinesischen Gäste vorzubereiten, denn noch ist es nicht selbstverständlich, sie zumindest mit einem freundlichen „Ni hao“ willkommen zu heißen. Um wirklich für das Wohlbefinden der Gäste zu sorgen, ist es unerlässlich, ihre Wünsche und Bräuche zu kennen. Im Chinesischen gibt es zum Beispiel kein „Nein“ wie bei uns. Deshalb ist es müßig, von chinesischen Gästen ein Nein zu erwarten, wenn Sie etwas anbieten, das ihnen nicht behagt. Wahrscheinlich lächelt Ihr Gast sogar trotzdem – und signalisiert damit dennoch keine Zustimmung, denn keine weitere Reaktion bedeutet: „Nein, danke!“ Auf chinesische Weise höflich gesagt.

Lieber Rot als Weiß

Auch weiße Blumen auf den Zimmern sind kein gutes Omen für den Gast, der am nächsten Tag Geschäfte machen möchte. In China ist Weiß die Farbe der Trauer. Rot hat dagegen nichts zu Persönliches oder gar Anzügliches, sondern signalisiert pures Glück. Den Willkommensbrief oder die Visitenkarte des Ansprechpartners im Hotel in einen roten Umschlag zu stecken, könnte deshalb eine glückliche Geste sein. Ebenso wie eine Beschreibung der Hotelangebote auf Mandarin. Außerdem praktisch: ein Wasserkocher, kostenloser Tee und eine Fertignudelsuppe auf dem Zimmer. Das sollte im Übrigen lieber nicht am Ende eines Gangs liegen, sondern seitlich vom Gang abgehen, denn viele Chinesen glauben daran, dass Geister nur geradeaus gehen können und somit gezwungen sind, sie nachts zu besuchen, während sie sich lieber für das Meeting am nächsten Morgen ausruhen möchten.

Auch beim Essen, zumal dem Frühstück, können Hoteliers punkten, wenn sie mit dem Angebot auf ihre neuen Gäste eingehen. In Shanghai, Hongkong und Peking liegt die europäische Backkultur zwar voll im Trend, aber die meisten Chinesen sind es doch gewohnt, eine Suppe oder Teigtaschen mit herzhaften Füllungen zu frühstücken, dies mit Stäbchen und Löffel statt Messer und Gabel. Und wenn chinesische Weiterreisende anschließend die Möglichkeit haben, ihre Rechnung ganz selbstverständlich mit China Union Pay oder Alipay zu bezahlen, kommen sie bestimmt gerne wieder und empfehlen „ihr“ Hotel weiter.

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