Das Comeback der Minibar

Vor vierzig Jahren war die Minibar eine Art Erste-Hilfe-Kasten für erschöpfte Geschäftsreisende, die nach einem harten Tag mit ein paar Drinks und einer Packung Nüsse im Hotelzimmer entspannen wollten. Heute versuchen Hoteliers mit Hightech-Lösungen die inzwischen aus der Mode gekommenen Zimmerkühlschränke wieder populärer zu machen.

Text: Laura Myers // Fotos: iStock, Bartech

Automatische Minibars sind kleine Wundermaschinen: Sie haben die Arbeit von Hoteliers in den vergangenen Jahren stark vereinfacht, indem sie Verbrauchsinformationen erheben und die Abrechnungsdaten direkt übermitteln. Ian Millar, Hospitality-Technology-Experte der Ecole Hôtelière de Lausanne (EHL), sieht in ihnen einen echten Vorteil für das Hotel-Management: „Automatische Minibars erfassen die Entnahme eines Produkts exakt. So erfahren Hotelbetreiber genau, welche Minibar geöffnet wurde und was konsumiert wurde. Sie verringern den Personaleinsatz kräftig.“

Die Minibarhersteller setzen hierbei unterschiedliche Sensoren ein. „Es ist gleichgültig, was Hoteliers in den Minibars verkaufen wollen“, sagt Walt Strasser vom Schweizer Hersteller Minibar Systems, „die Software erfasst alles, solange das Produkt vom Sensor registriert wird.“ Derzeit sind die Sensoren via Kabel, drahtlos oder per Ethernet mit dem Hotelmanagementsystem verbunden. Die meisten Softwaresysteme geben Gästen zwischen 10 und 60 Sekunden Zeit, um ein Produkt bei Nichtgefallen zurück in die Minibar zu stellen, ohne dass dafür Kosten berechnet werden.

Tabletts und Schubladen

Tabletts, auf denen nichtverderbliche Ware im Hotelzimmer präsentiert wird, sind beliebt, weil die sichtbarere Ware zu Impulskäufen führt. „Wir beobachten, dass unser eTray sehr populär ist”, sagt Pierre Agrario vom US-Hersteller Bartech, “es kostet nur einen Bruchteil des Preises einer Minibar und amortisiert sich daher rasch“. Wer Getränke oder Snacks diskreter präsentieren will, ist mit einem Schubladensystem gut aufgehoben. Auch Diebstahl durch Angestellte lässt sich durch automatische Minibars leichter verhindern. „Diese Minibars sind permanent mit dem Hotelmanagementsystem verbunden“, sagt Agrario, „wird das Zimmer als leerstehend gemeldet, verschließt sich die Minibar automatisch. Reinigungspersonal hat zum Beispiel nicht die Möglichkeit, die Minibar zu öffnen.“

Bier vom Roboter

„Lieferroboter sind eine spannende Alternative zu Minibars”, erklärt Mehmet Erdem vom College of Hospitality der Universität von Las Vegas. „Gäste können mit ihrem Tablet oder mit Spracherkennungssoftware Zimmerservice bestellen. Testroboter wie im Hotel MGM Vdara in Las Vegas, lassen die Vorliebe von Gästen für solche Butler-Roboter beim Zimmerservice erkennen.“ Roboter, wie die Modelle von Robotise oder Savioke, besitzen einen interaktiven Touchscreen, verfügen über Kühlfächer und können von Mitarbeitern mit der von Gästen gewünschten Ware befüllt werden – egal, ob es sich um Zahnpasta, Erdnüsse, Zigarren oder Bikinis handelt. Die Roboter können so programmiert werden, dass sie eigenständig Gästezimmer ansteuern. Dem Gast kann mit einem Ankündigungsanruf kurz vor Eintreffen des Roboters das Nahen der Maschine angekündigt werden.

“Wünsch-Dir-was”-Minibar

Manche Hotels bieten ihren Gästen individuell bestückte Minibars. Die Gäste können vor ihrer Ankunft wählen, welche Produkte sie in ihrer Minibar vorfinden möchten. Nach Ansicht von Hospitality-Professor Mehmet Erdem liegt hier die Zukunft: „Mit dem zunehmenden Einsatz von Datenerfassung und -analyse in Hotels erkennen viele den Wert, den eine maßgeschneiderte Customer Experience darstellt. Das gilt natürlich besonders für treue Stammkunden.“

Lobby Stores und Lieferdienste

Lobby Stores mit von außen einsehbaren Kühlschränken sind eine Alternative, die in vielen Boutiquehotels eingesetzt wird. Sie ermöglichen Gästen den schnellen und unkomplizierten Einkauf im Rezeptionsbereich. Befüllt werden können sie auch mit frisch zubereiteten Sandwiches, mit Obst oder Salaten. In größeren Städten gibt es Lieferdienste wie Uber Eats oder Deliveroo, über die Hotelgäste ihr Wunschmenü zusammenstellen und anliefern lassen können. Natürlich können Hoteliers diese Dienste als Konkurrenz zur Minibar oder Points of Purchase im Hotel verstehen. Doch wenn es keine hoteleigenen Optionen gibt, stellen Infos zu Lieferdiensten eine willkommene Bereicherung der Customer Experience dar.

Hangoverpack
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Sweetybar
Sweetybar
Sun-Kit
Sun-Kit

Soviel mehr als Dosenbier und Schokoriegel

Es gibt so gut wie keine Grenzen, wenn es darum geht, Minibars zu bestücken. EHL-Professor Ian Millar: „Manche Hotels nutzen den Inhalt ihrer Minibars dazu, sich zu differenzieren. Sie füllen die Bars mit Beauty-Produkten, coolen Snacks, ungewöhnlichen Drinks oder sogar Brett- oder Kartenspielen.” Immer mehr Hotels greifen auch auf regional erzeugte oder Bioprodukte zurück. Andere legen schon mal eine Fliege für den Smoking, eine Popcornmaschine, Ladekabel für Smartphones oder Einschlafsets in die kleinen Wunderkammern.

Elizabeth Jones vom Minibarbestücker In-Room Plus sagt, dass viele Businesshotels ihre Minibars gerne mit Erste-Hilfe-Kästchen und Anti-Kater-Mitteln ausstatten. „Nach einem langen Reisetag oder einem anstrengenden Messebesuch inklusive der Standparty brauchen Gäste schon mal ein Pflaster für Blasen an den Füßen, ein Kopfschmerzmittel oder ein paar Vitamine, die das Aufstehen am nächsten Tag weniger schwer machen.“

Die ultimative Minibar

Sollte all dies nicht reichen, kann man noch eines draufsetzen: Luxushotels wie The Nobu in Miami Beach offerieren eine „Maxibar“ – eine schicke mobile Bar, prallvoll mit erstklassigem Hochprozentigen und Cocktailzutaten, die auf Wunsch ins Gästezimmer gerollt wird. Wer sich dann nicht selbst mit den mitgelieferten Drinkrezepturen befassen will, kann auch gleich den Barmann dazu bestellen. Der mixt dann direkt im Hotelzimmer personalisierte exotische Cocktails.

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