Exceptional Hotel Concepts

Hotel Design: Das sind die Trends 2019

Mit Hotels und deren Design ist es ein wenig wie mit Ozeanriesen: Minimale Kurskorrekturen bringen den Dampfer ebenso ans Ziel, wie ein radikaler Richtungsschwenk. Ob Business- oder Boutique-Hotel: Es ist alles eine Frage der Planung und des Stils. Hier sind die neuesten Trends, Impulse und Tipps von Star-Designern wie Thai Cong Quach.

Von Laura Myers und Stefan Wagner  //  fotos: Stephan Lemke / Eric Laignel / Steve Herud / Steffen Jänicke

Der Hotel Trend hält an: Die Lobby wird zum Lebensraum. Vorbei ist die Zeit, als sie ein ehrfurchtgebietender Raum war. Immer mehr Lobbys bieten unterschiedlichen Zonen: zum Arbeiten, Entspannen, Trinken, Warten und, ja, auch, zum Anmelden. Jede Zone sollte eine andere Atmosphäre haben, geschaffen durch Beleuchtung, Pflanzen, offene Flächen oder Raumtrenner.

Der Empfangstresen thront nicht mehr in der Mitte, sondern ist vielleicht in einer Nische untergebracht. Gerne wird er ersetzt durch kleine Tische, wie in einem Wohnzimmer, an die sich auch der Gast setzen kann. Die Lobby ist der zentrale Raum, ein hub, um den sich alles dreht. Entscheidend ist hier die Mischung, die einerseits Rückzugsräume bietet wie abgeschlossene Couch-und Sesselgarnituren, andererseits die Kommunikation für die Gäste erleichtert, die darauf Wert legen, wie zum Beispiel lange Naturholztische, an denen man arbeiten, lesen oder einen Drink nehmen kann. Es finden sich auch immer öfter coole, offene Work Zones. Der Hamburger Star-Designer Thai Cong Quach summiert die neue Lobby-Logik in einem Satz: „Die Lobby sollte sich anfühlen wie ein Nachhause kommen, nicht wie ein Ort für eine Businesstransaktion.“ Und genau das trotzdem sein können, schließlich lösen sich die Grenzen zwischen den Lebenswelten immer mehr auf.

 

Designhotels florieren, denn die Optik zählt schon beim Buchen

Außerdem ist die Lobby die einladende Visitenkarte im Netz, denn Social Media ist visuell. Facebook, Instagram, Pinterest leben von Bildern. Und Menschen lassen sich von geposteten Bildern inspirieren. Deshalb ist das Smartphone in der Hosentasche der Gäste ein nicht zu unterschätzendes Marketinginstrument. Ob ein Aufsehen erregendes Objekt eines lokalen Künstlers, eine Graffitiwand, besondere Tischlampen oder auch nur ein genial designter Sonnenschirm, eine coole Wasserkaraffe im Cafébereich oder ein Cocktail in einem ambitioniert gestylten Oversize-Glas, alles kann zum Fotoobjekt werden. Ideal sind natürlich Bilder, die Ihre Gäste im Kontext mit Ihrem Hotel zeigen. Diese Fotos werden häufiger geteilt und zeigen in einem Sekundenbruchteil, dass Ihre Gäste das Hotel oder einen bestimmten Teilaspekt für originell und weiterempfehlenswert, eben instagrammable erachten.

Alle prizeotels sind exklusiv von Karim Rashid gestaltet – hier der Frühstücksraum in Bremen-City.
Alle prizeotels sind exklusiv von Karim Rashid gestaltet – hier der Frühstücksraum in Bremen-City.
Design-Element im prizeotel Hannover
Design-Element im prizeotel Hannover
Frühstücksbüffet im prizeotel Hannover-City
Frühstücksbüffet im prizeotel Hannover-City

Hotel Trend Minimalismus

Eigentlich ist es eine alte Geschichte: Aufräum-Queen und Bestsellerautorin Marie Kondo propagiert Minimalismus und pures Design. Lebensentrümpelungsprediger schlagen seit Jahrzehnten in dieselbe Kerbe: Clutter muss weg, Unnötiges hat keine Daseinsberechtigung. Effizienz und klare Linien bleiben elegant und angesagt. Micro-hotels machen vor, wie sie mit neuen Ideen Platz schaffen: Nach dem Ende des Hotelkleiderschranks müssen Sakkos, Hemden und Hosenanzüge an beweglichen Kleiderstangen und Kleiderbügeln verschwinden können. Der Rollkoffer kann auch mal in eine strategisch angebrachte Schublade unter dem Sideboard. Weniger ist mehr, aber smartes Verstauen des Unvermeidbaren ist noch mehr. Auch Tapeten sind out – es sei denn, besonders schöne werden in der Region oder gar im Hotel hergestellt und bieten einen originellen Mehrwert.

Megatrend: Die Betonung des Ortes

Ein klarer Megatrend ist die Lokalisierung, also die Betonung des Ortes, an dem sich Ihr besonderes Hotel befindet. Das geschieht einerseits durch die Einbeziehung örtlicher Künstler, Musiker, Fotografen, andererseits durch die Öffnung des Hotels für lokale Marken. Scott Dahl, Senior Lecturer an der Hotelfachschule Lausanne: „Personalisierung und Spezialisierung sind der Schlüssel. Es ist gut, wenn der Barista im Lobby-Cafe aus dem Ort stammt, in dem das Hotel steht. Er bringt seinen eigenen Stil mit, der wiederum geprägt ist von seiner Herkunft und Erfahrungen.“ Auch beim Interior Design schlägt Originalität die Austauschbarkeit. Es gewinnt, wer lokale Eigenheiten, Sitten, Speisen, Drinks und Kunststile stilvoll integriert. Designer Thai Cong Quach: „Ein Hotel sollte stimmig in seiner Umgebung ruhen. In einem Hotel in Bangkok sind Tuk-Tuk-Blinkleuchten und mit Pailletten verzierte Thai-Boxhandschuhe als Gestaltungselemente toll, in Bayern kann es auch mal eine verfremdete Lederhose sein.“

Zimmer im The Circle in Köln
Zimmer im The Circle in Köln
Beispiel für ein Zimmer im Bikini, Berlin
Beispiel für ein Zimmer im Bikini, Berlin
Lobby im Michelberger in Berlin
Lobby im Michelberger in Berlin
Das NYX Designkonzept wurde für ein urbanes, vielseitiges Publikum entwickelt, z.B. für das NYX-Hotel Madrid ...
Das NYX Designkonzept wurde für ein urbanes, vielseitiges Publikum entwickelt, z.B. für das NYX-Hotel Madrid ...

Technik ist wie ein moderner Butler im Hotel Design

Technologie ist der ultimative Diener. Im Hotel wie im Alltagsleben. Sie spart Wege, unterhält, informiert. Das beste Highspeed-Wifi kann nicht gut genug zu sein. Es ist die beglückende Droge, an der die meisten Gäste hängen, ob in einer Lobby, die aussieht wie ein Co-Working Space, oder im Zimmer beim Streamen eines Netflix-Films. Ansonsten: Smartphones werden 2019 ihren Siegeszug als Personalisierungsmedium fortsetzen: Sie sind intelligente Hotelschlüssel, Kommunikationsmittel für den Zimmerservice, Speicherort für hinterlegte Gast-Präferenzen, Steuerzentrale für Raumklima, Fernseher oder Lautsprecher. Machen Sie es den Smartphone-Besitzern so leicht wie möglich. Mit in Tischen, Lampen oder Badezimmerablagen integrierten USB-Anschlüssen, coolen Ladestationen und vor allem simpler Konnektivität. Abseits des Designs arbeiten Hoteltechnologieanbieter daran, Lösungen zu finden, mit denen Hoteliers das gesamte Erlebnis auf den Gast zuschneiden können: auf dessen ideale Hotelkriterien oder sogar auf seine Essens- und Musikvorlieben.

Mischen possible

Das Mantra der Eklektiker: öfter mal was anderes wagen. Mixen Sie Stile, Formen, Farben und Materialien wie Star-Hotel-Designer Karim Rashid oder Werner Aisslinger in seinem Design-Konzept NYX. Es müssen, nein, es sollten, auch nicht alle Zimmer identisch sein. Stephani Robson von der US-Hotelfachschule Cornell: „Gerade bei Sitzgelegenheiten gibt es eine riesige Variationsbreite: Stühle, Hocker, Sessel, Sofas. Smarte Kombinationen von hart und weich, Holz und Polster, grellen und zurückhaltenden Farben bringen Pep in den Raum.“ Millennials hassen es, als homogene Masse qualifiziert zu werden und würdigen Individualität wie in den Boutique und vielen neuen Design Hotels. Corporate-Identity-definierte Farben und Muster sind out, entscheidend ist es, ein Lebensgefühl zu schaffen – nicht nur für Urlauber, erst recht für die mobilen neuen Geschäftsreisenden, die auch bei Meetings immer öfter kleine, gemütliche Räume bevorzugen, die wie eine Bar oder ein Wohnzimmer wirken können, und dennoch die Möglichkeit bieten, wirkungsvoll zu präsentieren.

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