Die neuesten Wellness-Trends – auch für Ihr Hotel?

Sind Sie auf die Wünsche vorbereitet, von denen Ihre Gäste immer öfter träumen? Frieren, Niksen, Waldbaden ... Ein Blick auf die aktuellen, kommenden und weltweiten Wellness-Trends.

Text: Karen Cop // FOTOS: iStock / Amanyangyun Resort / Six Senses Spa

Loslassen, auftanken, alle Sinne streicheln lassen – Wellness! Das wollen alle immer öfter. Von der Arbeit gestresste Menschen träumen immer weniger von klassischen Urlauben und Kuren, sondern von langen, sinnvollen Sabbaticals oder kurzen, dafür umso ganzheitlicheren Wellness-Erlebnissen. „Wellness mit Wirkung“ brachte es der Wellness-Trends Report 2019 auf den Punkt.*

Mehr Wellness mit längerer Wirkung

„Sinnvoll und nachhaltig“ soll die Auszeit dabei auch sein, führt der Report aus. „Denn Gäste möchten die Erholung nicht nur im Wellnessurlaub erleben, sondern langfristig davon profitieren. Über 70 Prozent wünschen sich eine anhaltende Wirkung in den Alltag hinein.“ Vor allem die junge Zielgruppe denkt dabei an körperlich und mental aufbauende Angebote: Meditation plus Detox, Naturnähe plus bewusste Ernährung, traditionelle Heilweisen, neu interpretiert, dazu Sauna, Dampfbad, Hammam ... möglichst eine ganze Wellness-Landschaft. In der Gruppe der bis 39-jährigen erwarten 54 Prozent ein „ganzheitliches Erlebnis“, 51,6 Prozent „individuelle Beratung“, fast 20 Prozent einen „Sofort-Effekt im Wellnessurlaub.“
Rund die Hälfte der befragten Hoteliers gab an, dass die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. 85 Prozent investier(t)en entsprechend in den Ausbau der Zimmer, ihrer Wellnessbereiche und der Gastronomie.
(s. Grafik(en) Quelle: Wellness-Hotels & Resorts und beauty24)

Alte Badekultur in modernen Spas

Weitet sich der Blick über den Globus, bestätigt sich der Trend. Zumal nun nicht mehr vor allem US-Amerikaner am liebsten Verwöhn-Oasen buchen, die sie innerhalb kurzer Zeit wie neugeboren fühlen lassen. Beth McGroarty, acht Jahre lang im Bereich Research & Forecasting für den Global Wellness Summit und am Global Wellness Institute tätig: „Wegen der Größe des Marktes und seiner wachsenden Mittelschicht wirkt sich Chinas Einfluss jetzt auf die globale Wellnessbranche aus.“ Das heißt, traditionelle Heilweisen verbinden sich mit modernem Spa-Verständnis. In Shanghai eröffnete dieses Jahr beispielsweise die Aman-Gruppe das Amanyangyun: ein antikes, wieder aufgebautes Dorf, in dessen dazugehörigem Spa die traditionelle chinesische Medizin auf russische und marokkanische Bade- und Reinigungskultur trifft, dies alles auf technisch fortschrittlichstem, modernen Niveau auf 2,840 Quadratmetern.

In Ländern wie Kroatien wird die Entwicklung des Wellnesstourismus mit staatlicher Unterstützung vorangetrieben. Laut Investitionsprogramm soll etwa die Kleinstadt „Varaždinske Toplice zum qualitativ hochwertigsten Ziel für Gesundheitstourismus“ werden. Auch hier steht eine alte Bäderkultur mit neuer, moderner Anmutung wieder auf.

Die Ergebnisse des Global Wellness Summit

Der Global Wellness Summit ermittelt jedes Jahr die neuesten Trends, die Einfluss auf die 4,2 Billionen US-Dollar schwere Wellnessbranche haben. Die Experten konnten dabei feststellen, wie weltweit das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und eine natürliche, gesunde Lebensweise wächst. „Sugar Detox“ ist z.B. ein Thema. Wobei Essen generell nicht mehr vom ganzheitlichen Wellnessgedanken abgekoppelt werden kann. Immer mehr Menschen erwarten ein Angebot, das auf ihre individuellen Essgewohnheiten oder Intoleranzen eingeht. Die Märkte haben sich schließlich längst darauf eingestellt. Während zum Beispiel Gluten war vor einem guten Jahrzehnt kaum ein Thema war wurde 2017 wurde das Marktvolumen von glutenfreien Produkten von Zion Market Research mit 4,7 Billionen Dollar beziffert. Inzwischen nehmen zahlreiche Spa-Destinationen bereits bei der Ankunft ihrer Gäste Speichelabstriche von ihnen und passen dann All-Inclusive-Mahlzeiten und Fitnessprogramme an ihre persönlichen Bedürfnisse an.

Neueste Wellnesstrends zum gleich Nachmachen

Aber es gibt auch einfachere und günstigere Möglichkeiten, dem Wunsch nach individuellen und neuen Angeboten zu entsprechen, die kleine Wellness-Oasen und mittlere Hotels leicht übernehmen können. Mit einer App wie „Calorie Mama AI“ beispielsweise könnten Ihre Gäste ihren Kalorienverbrauch kontrollieren, um auch auf Geschäftsreisen ihre Diät zu halten. Sie müssen nur ein Foto von ihrem Essen machen, schon zeigt die Künstliche Intelligenz die Zutaten und die Kalorien der Mahlzeit an.

Schlaftherapien, die alte und neue Techniken vereinen, um einen erholsamen Schlaf zu fördern, sind auf dem Vormarsch. Dabei zeigen Apps die optimalen Schlafzeiten an und begleiten die Einschlafphasen mit Geräuschen aus der Natur. Bei Trends wie dem japanischen „Otonamaki“ werden Erwachsene eng in Laken eingewickelt wie Babies beim Puken. Das entspannt und soll außerdem bei Rückenschmerzen helfen. Beim „Niksen“, einem Trend aus Holland, üben Wellness-Trendsetter tagzuträumen, die Gedanken wandern zu lassen, und sich auf gar nichts mehr zu fokussieren. Ein weiterer Trend kommt aus Japan: Waldbaden. Das „Shirin Yoku“ gehört zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge und entspricht der großen Sehnsucht nach Entspannung in der Natur, die alle Experten in der Wellnessbranche spüren.

Beautybehandlungen werden dagegen weniger gefragt, obwohl die Branche mit speziellen Treatments auch Männer lockt. Laut Wellness Trends 2019 verbinden „nur noch knapp über 10 Prozent Wellness mit Beauty-Anwendungen“. Vor zehn Jahren ging es noch einem Drittel aller Wellness-Urlauber vor allem um mehr Schönheit. Die kommt jetzt eben von Innen.

* Die Daten werden jedes Jahr zwischen Dezember und Februar des Folgejahres von der Wellness-Hotels und Resorts GmbH erhoben bei einer Befragung erhoben. Bei der letzten waren es 3.721 wellness-affine Gäste sowie 124 Wellness-Hoteliers.

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