Diebstahl im Hotel: So bleibt alles, wo es sein soll

Föhne, Fernseher, Kunstwerke – manche Gäste lassen auch die Möbel mitgehen. Umfragen zeigen, dass es sich beim Thema Diebstahl im Hotel nicht nur um Bagatellfälle handelt. Sicherungen und etwas Taktik können helfen.

Text: Karen Cop // FOTOS: iStock

Diebstahl im Hotel – Gäste denken dabei zunächst an entwendete Geldbörsen oder gar vom Zimmermädchen gestohlenen Schmuck. Dabei hat es ein Gast vergleichsweise gut: Sollte er oder sie im Hotel bestohlen werden, haften in Deutschland und den meisten europäischen Ländern in der Regel die Hoteliers. In Wahrheit sind aber die Hoteliers die am häufigsten Bestohlenen. Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergab, dass jeder zweite Deutsche schon einmal etwas hat mitgehen lassen bei seinem Hotelbesuch. „Grundsätzlich ist man als Hotelier nie 100 Prozent gegen Diebstahl auf den Zimmern geschützt“, weiß Simon Wieck, Managing Director von prizeotel Deutschland, im Namen seines CEO Marco Nussbaum.

Vom Hotel Handtuch bis zum Klavier

Realität ist: Manche Hotelgäste stehlen leider fast alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Mitnehmen von Kosmetik und Stiften sehen viele sogar als normal an, aber es verschwinden auch oft weit hochwertigere Dinge. Der „Wellness Heaven Hotel Guide“ befragte 1.093 Hoteliers in europäischen 4- und 5-Sterne-Hotels, was diebische Kunden besonders gerne mitgehen lassen. Die begehrtesten Gegenstände sind demnach mit 77,5 Prozent Handtücher, gefolgt von Bademänteln (65,1 Prozent) und Kleiderbügeln (49,3 Prozent). Aber auch Kunstwerke gehören mit einem Prozentsatz von 20,2 zum auffallend häufigen Diebesgut. Ein Hotelier aus Italien berichtete sogar: „Als ich einmal durch die Lobby lief, fiel mir auf, dass irgendetwas fehlte. Kurz darauf erfuhr ich, dass drei unbekannte Männer in Overalls das große Piano abtransportiert hatten.“ Es tauchte nie wieder auf.

Überwachung im Hotel

Was können Hoteliers dagegen tun? Simon Wieck: „prizeotels sind bzw. werden mit einem sehr umfangreichen Kamera-Aufzeichnungssystem in den öffentlichen Hotelbereichen wie Lobby, Front Office, Bar, Etagenflure, Aufzugsstationen, Parkplätzen und Hoteleingang ausgestattet. Auf diese Kameraüberwachung weisen wir an vielen Stellen im Haus gut sichtbar schriftlich per Aushang hin, was einen äußerst vorbeugenden Effekt gegen Diebstahl erzielt.“

Dinge mit Hotellogo als Souvenirs

Oft ist es der Jagdinstinkt, der aus sonst unbescholtenen Menschen Gelegenheitsdiebe macht. Mit dem Hotelnamen versehene Handtücher oder auch das Besteck sind auch deshalb besonders gefährdet, weil der Gast sie sich als Erinnerung an seine Reise wünscht. Ein Shop im Foyer, der Bademäntel mit den Hotelinsignien oder auch die hauseigene Kosmetik verkauft, signalisiert deutlich, dass die Dinge zwar zu haben sind, aber ihren Preis kosten. Handtücher und Besteck gar nicht erst mit dem Hotellogo zu kennzeichnen, ist aber auch eine Möglichkeit zu verhindern, dass das Hoteleigentum als mögliches Souvenir betrachtet wird. Eine Gabel ist dann nur eine Gabel wie alle anderen auch.

Strafantrag oder geschenkt?

Für einen Diebstahl unter 50 Euro einen Strafantrag gegen einen Gast zu stellen, lohnt den Aufwand kaum. Bei wertvolleren Dingen gibt es ab und zu die diskretere und charmantere Möglichkeit, beim Auschecken den aus der Reisetasche ragenden Bademantel auf die Rechnung zu setzen oder auf der Kreditkarte nachzubelasten, falls der Diebstahl eindeutig war, z.B. das Personal ihn beobachten konnte.

Ob das Mitnehmen angebrochener Seifen oder Shampoos nicht oder erst recht erwünscht ist, muss jeder individuell entscheiden. Einige Hoteliers betrachten das Verbreiten der Marke als erwünschte Werbung, die den Gast auch zu Hause an sie erinnert. Wichtig wäre hier nur, dem Gast die Unsicherheit zu nehmen: Sie könnten die Artikel als „Geschenk des Hauses“ anbieten. Oder, falls die Mitnahme nicht gewünscht ist, ein Schild platzieren, das beispielsweise darauf hinweist, was mit Seifenresten oder einem angebrochenen Shampoo geschieht.

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