Influencer im Bereich Business Travel – so sind Sie gut auf Blogger und Instagram-Stars vorbereitet

Blogger haben auch unter Geschäftsreisenden immer mehr Follower – und gewinnen an Einfluss. Beispiele, Wirkung und neue Anforderungen, denen sich die Hotellerie zunehmend stellen muss.

Text: Christine Bein  FOTOS: iStock

Achtung, Influencer! Die Online-Reputation eines Hotels kann schnell Schaden nehmen, wenn man den Einfluss seiner Gäste unterschätzt, insbesondere dann, wenn der Gast einer der bekanntesten deutschen Instagram-Stars ist. So geschehen im Sommer 2018 in einem Luxusresort in Kroatien.

Farina Opoku ist mit fast einer Million Followern auf Instagram und ihrem Blog Nova Lana Love eine der erfolgreichsten Influencerinnen in Deutschland und nimmt ihre Followerschaft per Feed und Storyfunktion auf Instagram auch mit in den Urlaub. So kam es, dass ihr Hotel einen Shitstorm und jede Menge negative Bewertungen erhielt. Der Manager komplimentierte Opuku samt Familie heraus, als ein lokaler Politiker sich beschwerte, diese wäre ihm zu laut. Folge der nicht sehr diplomatisch gehandhabten Situation waren ein Online-Shitstorm auf den Social-Media-Kanälen des Hotels sowie zahlreiche negative Bewertungen im Netz. Farina hatte, wie auf ihrem Kanal üblich, ihre Geschichte und die Hintergründe über rund eine Woche in ihrer Instagram-Story geteilt. Die Schar an Fans und Followern reagierte, wie zu erwarten war: mit heftiger Kritik und Entrüstung. Dabei hätte bereits eine schnelle Onlinerecherche genügt, um herauszufinden, um welchen Gast es sich handelt und wie der zudem politisch aufgeladene Vorfall zu vermeiden gewesen wäre.

Orte schaffen für die Influencer

Denn der Einfluss ist nicht zu leugnen, den Influencer im Netz auf Konsumenten und Hotelimages haben. Eine kleine Instagram-Story kann lange Spuren hinterlassen, selbst wenn sie nach 24 Stunden gelöscht wird, falls dabei täglich geschätzt 100.000 Menschen zusehen. Hotels sind deshalb gut beraten, auf ihre Bedürfnisse einzugehen, das heißt: Orte im Hotel zu schaffen, die „instagrammable“ sind, bereits bei ihrem Empfang in der Lobby. „Insta-friendly“ sind besonders fotogen servierte Gerichte in erfrischender Farbigkeit in Schalen und Etageren zum passenden Drink. Keine Frage, dass Hotel-Restaurants so nicht nur dem Influencer Appetit machen können, sondern eine nahezu kostenlose, wirksame Werbung darstellen. Immer mehr Hotels laden deswegen Influencer mit über 10.000 Followern ein und zeigen ihnen die schönsten Plätze für ihre Blogs und Reiseberichte: schmeichelnd ausgeleuchtete Nischen, besondere Designermöbel, witzige Sprüche auf Wänden oder Wäsche sowie atemraubende Aussichten.

Effizienz versus Geduld

Zu den für Hotels relevanten Influencern gehören speziell die Business Travel Blogger, denn Business Travel Blogs haben eine wachsende Leserschaft. In Wartezeiten am Flughafen oder in der Bahn suchen Reisende bei ihren Bloggern des Vertrauens Unterhaltung und Informationen. Tipps und Tricks werden vor allem online gefunden, um Businesstrips und Meetings effizient zu gestalten. Deshalb sollten nicht nur die klassischen Online-Bewertungsportale beachtet werden, sondern auch Reiseblogger, die sich speziell an Geschäftsreisende wenden und zunehmenden Einfluss auf das Buchungsverhalten der Firmen haben.

Geschäftsfrauen und der Faktor Sicherheit

Neben den klassischen Anforderungen an Business-Hotels wie Lage und Kosten zeigen sich dort die besonderen Bedürfnisse von Geschäftsreisenden. Frauen auf Geschäftsreisen wählen Hotels zum Beispiel gerne nach dem Faktor Sicherheit aus, der gerade im Ausland nicht zu vernachlässigen ist. Die Amerikanerin Harriet Baskas hat mit ihrem Blog „Stuck at the Airport“ (https://stuckattheairport.com/) nicht nur ein Medium geschaffen, das für Unterhaltung sorgt, wenn man auf Reisen „feststeckt“, sie widmet sich in ihren Reiseberichten auch dem Sicherheitsthema und weiteren Bedürfnissen von Geschäftsfrauen. So werden Hotels, die ein Plus in Sachen Sicherheit schon an der Rezeption gewährleisten und beispielsweise Codes für den Zugang zu den Zimmern verlangen, bei der Buchung eher bevorzugt.

Authentizität genießt Vorrang vor Bewertungsportalen

Ala Zander ist als PR-Ikone und Gründerin von Stilart PR aus München berufsbedingt zur Business Travel Bloggerin geworden und nimmt als „Travala“ auf Instagram ihre Fans mit auf Reisen. Nach einer schweren Hüftgelenksentzündung und Operationen stellten sich ihr auch neue Herausforderungen bei Geschäftsreisen. Was den Komfort auf Reisen erleichtert und wie man trotz gesundheitlicher Einschränkungen stilvoll reist, zeigt Ala Zander jetzt auf ihren Kanälen. Die Authentizität solcher gelebten Business-Travel-Erfahrungen wirkt sich positiv auf das Bild der Hotels im Netz aus, denn Harriet und Ala genießen aufgrund ihres authentischen Teilens ihrer Berufserfahrungen ein großes Vertrauen bei ihrer Leserschaft und beeinflussen deren Buchungsverhalten.

Ride-Hailing und alles, was Stress mindert, hat den Vorsprung

Lobby-Areas, in denen man kurze Meetings unkompliziert abhalten kann, ohne großen Aufwand einer Reservierung, werden von den Business Travellern genauso online empfohlen und in Blogs und auf Social-Media-Kanälen verbreitet wie die neuesten Trends und Innovationen. „Ride-Hailing“ zum Beispiel ist eine neue Mobilitätsform, die sich über Social Media und Blogs rasant verbreitet hat. Dabei handelt es sich um per App gesteuerte Mitfahrmöglichkeiten. Business Travel Blogger informieren eben schneller als jedes Marketing über die Angebote an der jeweiligen Destination, auch über Business-Hotels mit „Ride-Hailing“ statt nur klassischem Taxirufservice. Denn unkomplizierte Möglichkeiten sind nicht nur ein Trend, sondern schon Anspruch, gerade bei der neuen Generation von Geschäftsreisenden. Bei ihnen stehen die Reisekosten oft weniger im Fokus als möglichst wenig Stress. Schließlich verlangen Business-Reisen den Geschäftsleuten viel ab, und Hotels, die technische Innovationen in ihren Services anbieten, haben dementsprechend die Nase vorn.

Top Business Travel Blogger & Blogs

Stuck at the Airport – Harriet Baska
stuckattheairport.com

Frequent Business Traveler
frequentbusinesstraveler.com

Matthias Travel Telling
traveltelling.net/de

Smaracuja – Nina
smaracuja.de

Travel After Five
travelafterfive.com

C Boarding Group
cboardinggroup.com

5 Fragen und Antworten

Was ist im Umgang mit Bloggern zu beachten?

Blogger wissen um ihren Einfluss, ähnlich wie die eigentlich geheimen Guide-Michelin-Tester. Daher gilt es, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und den Servicegedanken zu zeigen, der dem Hotel entspricht. Reiseblogger wünschen sich zudem unkomplizierte Lösungen, gutes WLAN und Tipps vor Ort. In Sachen Reisetricks sind die Blogger die Experten, von denen sich Hotels gerne anregen lassen können. Deshalb bietet es sich an, die Kontaktdaten der Blogger und eventuell auch mögliche Kooperationen anzufragen.

Wie kann ich mit Reisebloggern kooperieren?

Die meisten Blogger sind für Kooperationen offen. Wenn sie gut zur gewünschten Zielgruppe passen, lohnt es sich, Blogger zu einem Besuch einzuladen. Die Kontaktdaten sind auf Social Media und im Blog leicht zu finden. Der Rest ist Verhandlungssache. Es empfiehlt sich jedoch, vorab eine Vereinbarung zu treffen über den denkbaren Leistungsaustausch, z. B. ob der Blogger dem Hotel auch selbst produzierten Content wie Fotos und Texte zur Verfügung stellen könnte. Ein Blogbeitrag kann wertvoll für eine Steigerung der Sichtbarkeit in Suchmaschinen sein, da ein Blog bei SEO ein höheres Ranking genießt. Wenn junge Kunden erreicht werden sollen, lohnt sich eine Kooperation mit Influencern, die Business Travel auf Instagram zum Thema machen.

Wie reagiere ich auf negative Kritik?

Zunächst gilt es, möglichst schnell herauszufinden, woher der sog. „Shitstorm“ kommt. Je schneller beispielsweise Statements auf Facebook oder Instagram ernst genommen werden und man mit einem Post oder aufklärendem Kommentar unter den negativen Äußerungen reagiert, desto eher lässt sich eine aufgeregte Meute besänftigen. Es empfiehlt sich auch eine Schulung der Mitarbeiter durch PR- oder Social-Media-Berater, die beispielhaft erklären können, wie auf negative Bewertungen und Kommentare eingegangen werden kann.

Darf ich einen Blogger um eine gute Bewertung bitten?

Grundsätzlich äußern sich Blogger ebenso frei wie klassische Journalisten. Bitten darf man zwar immer, aber für ein gezieltes Marketing, empfiehlt es sich, mit Influencern geplant zu kooperieren. Wenn Sie einen Reiseblogger erwarten, stellen Sie am besten alle Webadressen, Hashtags und Social-Media-Kanäle unkompliziert zum „Copy and Paste“ zur Verfügung. Ebenso sollten alle Mitarbeiter informiert sein und sich entsprechend darauf einstellen. Denn letzten Endes sind Sympathie und Wohlfühlfaktor entscheidend.

Wie sind Blogger zu erkennen?

Hotelmitarbeiter punkten mit Aufmerksamkeit, betrachten E-Mails genau und googeln die Namen. Viele Blogger benutzen Blog-Namen ähnlich wie Firmen in ihrer Adresse. Ist der gefunden, lohnt sich eine Recherche in Blog und Social Media zu Präferenzen und Hintergrund des Reisebloggers. Die Instagram- und Facebook-Storyfunktion sowie Snapchat sind nicht zu unterschätzen, um herauszufinden, ob das Hotel dort erwähnt worden ist. Dies gelingt auch mit entsprechenden Social-Media-Management und Monitoring Tools. Im Zweifel hilft es aber immer noch, einfach mal analog nachzufragen.

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