Russische Gäste? – Worauf Sie als Hotelier achten sollten!

Verstehen Sie Russisch? Auch wenn Sie die Sprache nicht beherrschen, kann es als Hotelier nicht schaden, Körpersprache, Dresscode und ein paar Gepflogenheiten zu kennen, wenn Sie Gäste aus der Russischen Föderation gut empfangen und Missverständnisse vermeiden möchten. Hier gibt‘s einen Schnellkurs.

Text: Karen Cop // FOTOS: iStock

Während in den vergangenen Jahren Geschäftsreisende aus Russland in Deutschland seltener waren, hat sich die Lage inzwischen beruhigt. Doch inzwischen legt „der Warenaustausch zwischen beiden Ländern wieder zu, im Jahr 2018 um 8,4 Prozent auf 61,9 Milliarden Euro“ wie die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer meldete. Auch für 2019 war der Vorstandsvorsitzende der AHK Russland Matthias Schepp „positiv gestimmt“. Zeit für Hoteliers, ihr „Russisch“ aufzufrischen und die Gäste gleich bei der Begrüßung richtig anzusprechen.

Ansprache und Basics

Zwar wird es auch in Russland zunehmend üblich, „Gosposcha“, die Frau, oder „Gospodin“, den Herrn, plus Nachnamen anzusprechen, doch bei der Anmeldung im Hotel werden Ihre russischen Gäste bestimmt den kompletten Namen angeben. Das heißt: Zuerst den Vornamen, dann den Namen ihres Vaters und erst an dritter Stelle den Nachnamen. Russische Geschäftsleute stellen sich einander öfter nur mit ihrem Vor- und ihrem Vaternamen vor.
„Dobryj djen“ für „Guten Tag“ und „spasibo“, das heißt danke, sprechen sich dagegen ganz leicht aus, fast wie sie geschrieben werden. Dafür wird so manche Geste oder ein Gesichtsausdruck, anders verstanden, als viele andere Menschen ihn meinen. Zum Beispiel ein Lächeln.

Nicht zu viel lächeln!

Russische Gäste sind sehr ernst und streng? Sie wirken vielleicht so, sind es aber nicht, sondern lächeln nur möglichst selten. Denn ein russisches Sprichwort sagt: „Grundloses Lächeln spricht für Dummheit“. Und russische Geschäftsleute möchten Seriosität und Stärke ausstrahlen. Zur Begrüßung reichen sie einander die rechte Hand mit festem Druck und direktem Blickkontakt, ohne die Mundwinkel auffällig zu verziehen. Vor allem unter Fremden gilt Lächeln nicht als höflich, sondern aufdringlich. Falls Sie dennoch zur Begrüßung breit gelächelt haben, brauchen Sie sich nicht wundern, falls der Gast fragt: „Kennen wir uns schon?“
Das heißt aber nicht, dass Sie den Kontakt möglichst unpersönlich gestalten sollten, im Gegenteil: Russen lieben tiefgründige Gespräche und gehen auch körperlich viel weniger auf Abstand als beispielsweise Deutsche. Ein Tipp von Markus Eidam, Geschäftsführer von Die Auslands-Experten Eidam & Partner, in seinem „Russland-Knigge“: „Seien Sie nicht überrascht, wenn Ihr Gesprächspartner Sie gelegentlich am Arm berührt oder Sie von einem Bekannten zur Begrüßung umarmt werden.“

Kleidung macht immer noch Leute

„Die Kleidung entscheidet, wie man willkommen geheißen wird, der Verstand, wie man jemanden verabschiedet", lautet eine russische Regel. Wer in salopper Jeans auf den russischen Gast zuschlendert und sich als Hotel-Manager vorstellt, kann bei russischen Geschäftsreisenden auf Missfallen stoßen. Russische Geschäftsleute tragen im Allgemeinen immer seriöse, klassische Anzüge, möglichst maßgeschneidert und in bester Qualität. Teure Uhren und Halsketten sind offen zur Schau getragene Statussymbole. Russische Geschäftsfrauen könnten mit Kostümen, hohen Schuhen und funkelndem Schmuck erscheinen, als hätten sie sich für ein Abend-Event schick gemacht, obwohl sie zu einer Konferenz gehen. Die meisten russischen Geschäftsfrauen treten modebewusst und sehr gepflegt auf – und verhandeln genauso knallhart wie die Männer.

Prunk, Pralinen und Geschenke erwünscht

In Russland werden gerne bei jeder nur denkbaren Gelegenheit kleine Geschenke gemacht und schon zur Begrüßung überreicht. Mit einem kleinen Willkommensgeschenk erobern Sie deshalb bestimmt auch Ihren Gast im Hotel. Sie könnten es direkt bei der Ankunft überreichen oder mit einem persönlichen Gruß versehen gut sichtbar auf einen Tisch oder das Bett legen. Das Geschenk könnten eine wohltuende Handcreme sein, feine Pralinen oder eine Flasche Prickelndes oder Wein – Hauptsache, Sie verpacken es ein wenig prunk- und liebevoll. Auszahlen wird sich die kleine Investition bestimmt, denn russische Gäste zeigen sich meistens auch beim Trinkgeld äußerst großzügig.

Aberglaube und gelbe Blumen

Noch immer sind viele Russen ein wenig abergläubisch: Sich auf einer Türschwelle die Hand zu geben, soll Unglück bringen. Werden andere Menschen am Freitag, den 13., vorsichtig, gilt für Russen Montag, der 13. als besonders anfällig für Unglück. Sie sollten sich also nicht wundern, wenn an so einem Tag keine Geschäftsverträge besiegelt werden in Ihren Konferenzräumen.
Obwohl Russen Gold lieben, wie nicht nur Eremitage und Winterpalais in St. Petersburg beweisen, könnte es dennoch sein, dass sie sich mit goldgelben Blumen in ihrem Zimmer unwohl fühlen: In Russland sind gelbe Blüten keine leuchtenden Zeichen von Glück und Freundschaft, sondern von Eifersucht und Untreue. Nur am 8. März stimmt die Regel nicht mehr, denn das ist der Weltfrauentag. Russische Frauen dürfen an diesem Tag damit rechnen, dass sie von allen Seiten mit kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten bedacht werden, auch von Kollegen und Geschäftspartnern. Gelbe Mimosen und Osterglocken sind am Frauentag perfekt! Jedoch nur in ungerader Zahl, denn eine gerade Anzahl frischer Blumen überreicht man nur bei Beerdigungen und Trauerfällen.

Darauf einen Wodka!

Oder ein Bier. Oder Wein. Es stimmt, wenn russische Geschäftspartner sich einig geworden sind, stoßen sie darauf an und zwar gleich, nicht erst abends. Also nicht wundern, wenn schon morgens ein Ruf an die Bar geht. Es bedeutet nicht, dass es den Tag über so weitergeht, aber es bleibt ein Brauch, den internationale Geschäftspartner tolerieren sollten, statt mit entsetzten Gesten den russischen Gast zu brüskieren.
Wer jetzt die russische Seele noch besser und tiefer verstehen möchte, ohne über kulturelle Wurzeln zu stolpern, dem empfiehlt sich das Buch „Russenversteher: Wie aus interkulturellen Konfliktfeldern Wettbewerbsvorteile werden“ von Andrea Lütthans und Irina Zlotina, erschienen im NWB-Verlag.

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