Neue Bezahlmethoden

Virtual Payment

Virtuelles Bezahlen wird Realität – und das nicht nur in China, sondern auch im Rest der Welt. In letzter Zeit sind auch in Deutschland zahlreiche Smartphone-basierte Bezahlsysteme gestartet. Die Hotelbranche tut gut daran, bereit zu sein.

text: Jan Rähm  //  photography: istock

Neue Zahlsysteme braucht das Land: Deutschland ist das Land des Bargelds. Alltäglich findet man noch Aushänge in Gastronomie und Einzelhandel: „Keine Kartenzahlung möglich“. Dabei wünschen sich immer mehr Menschen im Land, elektronisch bezahlen zu können. Und nicht nur mit EC- oder Kreditkarte, sondern gern auch mit dem Handy oder auf ganz anderen Wegen.

Im Internet ist das Bezahlen mittels Virtual Payment schon gang und gäbe. Laut einer Untersuchung des Branchenverbands Bitkom nutzen bereits mehr als 65 Prozent aller Kunden Online-Bezahldienstleister wie Paypal oder Amazon Payments. Während im stationären Handel und in der Gastronomie die Barzahlung noch immer unangefochten die Nummer eins der Zahlverfahren ist, überwiegen im Hotelgewerbe deutlich Kredit- und EC-Karten. Dabei gewinnen aus dem Online-Handel bekannte Bezahlverfahren zunehmend an Bedeutung. So hat das Handelsforschungsinstitut EHI in einer 2018 veröffentlichten Studie unter anderem herausgefunden, dass immer mehr aus dem e-Commerce bekannte Zahlungsarten im stationären Handel angeboten werden.

 

Mobil bezahlen jenseits der Online-Welt ist heute nicht schwer

Eine nicht allzu verbreitete Sonderlösung stellen Browser-basierte Bezahlsysteme im stationären Handel und in der Hotellerie dar. Dabei kann der Kunde seine Rechnung vor Ort mithilfe von virtuellen Zahlverfahren an einem Terminal begleichen.

Deutlich verbreiteter und praktischer sind neuartige Smartphone-basierte Kartenterminals, wie sie von SumUp oder iZettle angeboten werden. Dabei handelt es sich um kleine Geräte, kaum größer als eine Kreditkarte, die per Bluetooth an ein Smartphone oder Tablet angebunden sind. Diese modernen Terminals unterstützen nicht nur die Zahlung per EC- oder Kreditkarte, sondern sind schon bereit für die langsam aufkommenden virtuellen Zahlverfahren, bei denen Smartphones oder Smart Watches eingesetzt werden.

Das Handy als Zahlungsmittel

Virtuelle Bezahlmöglichkeiten per Smartphone kamen in Deutschland bisher nur langsam in Fahrt. Doch 2018 könnte das Jahr der mobilen Bezahlmethoden werden. So startete Mitte des Jahres der Suchmaschinen-Riese Google mit seiner Lösung „Google Pay“. Im Herbst 2018 folgte das lang angekündigte „Apple Pay“, das weltweit bereits seit über vier Jahren in ausgewählten Ländern nutzbar ist. Auch der Hightech-Hersteller Samsung betreibt mit „Samsung Pay“ ein vergleichbares eigenes Bezahlsystem, das weltweit in einigen Ländern bereits aktiv ist und in Deutschland bald starten könnte. Vergleichbare eigene Lösungen haben die Sparkassen sowie die Volksbanken und Raiffeisenbanken ebenfalls 2018 an den Start gebracht.

Diesen Lösungen ist gemein, dass in einer App Daten von Bezahlkarten hinterlegt werden. Während bei Apple und Google (bisher) ausschließlich Kreditkarten möglich sind und diese auch nur von kooperierenden Banken stammen dürfen, können bei den Apps von Sparkassen und Volksbanken und Raiffeisenbanken auch EC-Karten genutzt werden.

Neue Technik, bewährtes Bezahlen

Der Umgang und der grundsätzliche Bezahlvorgang sind gleich: Der Hotelier initiiert die Bezahlung auf dem Bezahlterminal. Der Kunde hält sein Smartphone oder seine Smart Watch vor das Gerät, und der Kontakt wird über die Nahbereichsfunktechnik NFC hergestellt. Der Kunde bestätigt die Zahlung mit seiner PIN. Bei Beträgen unterhalb von 25 Euro braucht es im Regelfall keine PIN. Das ist vor allem beim schnellen Bezahlen an der Bar oder im Hotel-Shop praktisch.

Der gesamte Vorgang unterscheidet sich hinsichtlich der Kosten kaum vom bisherigen kartengebundenen Bezahlen. Innerhalb Deutschlands kostet es den Kunden nichts. Der Hotelier zahlt einen gewissen Prozentsatz an den Systemanbieter. Entsprechend sind auch die Risiken vergleichbar, eventuell etwas geringer, da die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde ein gestohlenes Smartphone nutzt, dank biometrischer Zugangssperren sinkt. Als weiteren Vorteil für den Hotelier erweist sich der einfachere Umgang mit dem funkbasierten Zahlungssystem, das keine Lesefehler wie bei Chip und Magnetstreifen kennt. Allerdings: Sollen alle Kunden gleich willkommen sein, muss der Hotelier alle etablierten Zahlungsmethoden unterstützen, was zu mehreren Lesegeräten und Serviceanbietern führen kann.

„Handygeld“ für Firmenkunden

Businesskunden können eine weitere Spielart virtueller Zahlverfahren nutzen. In jüngster Zeit gibt es Anbieter virtueller Kreditkarten. Diese bietet beispielsweise HRS in Kooperation mit AirPlus International und American Express an. Dabei können Firmen für ihre Mitarbeiter Einmal-Kartendaten generieren, über die der Aufenthalt gebucht wird. Der Vorteil: Die Kreditkarte kann nur einmal genutzt werden und nicht verloren gehen oder missbraucht werden. Der Mitarbeiter an der Rezeption kann anhand der übermittelten Nummer nicht erkennen, dass es sich um eine virtuelle Karte handelt. Die Abrechnung des Aufenthalts erfolgt detailliert und papierlos.

Auch einige Banken bieten diese Form virtueller Kreditkarten an. Die Kartennummer wird dabei über ein Onlineportal oder eine entsprechende Schnittstelle in der Unternehmens-IT anlassbezogen erzeugt und dem Mitarbeiter weitergeleitet. Der kann die „Karte“ wie gewohnt für die Reisebuchung einsetzen.

Einfacher, schneller, sicherer

Mit virtuellen Bezahlsystemen wird der Zahlvorgang für Hoteliers einfacher und schneller. Dank der guten Absicherung der Smartphones und der Möglichkeit virtueller Einmal-Kreditkarten wächst auch die Sicherheit. Nur bereit sein muss jeder Hotelier für sich selbst. Das passende Lesegerät sowie der souveräne Umgang damit sind Pflicht.

 

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